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Hundeausbildung (Grundregeln)

Die Welpenschule von Rennersdorf

Das Klassenzimmer ist eine grüne Wiese, und hier tobt der Bär. Besser gesagt: dreißig kleine Hunde. Cockerspaniel Winnie bei einem PäuschenCharly rast mit einem Gummihuhn auf und davon, Berner Sennenhund Trixi drückt Dackelmädchen Winnie seine Pfote auf den Kopf, Schäferhund Sally folgt dem ausgestreckten Arm von Herrchen.
Eine außergewöhnliche Schulklasse. Tierisch gut drauf.
Mittendrin: Labrador Samson. Elf Wochen alt. Staunend sitzt er da. Weiß gar nicht, in welche Richtung er zuerst wedeln soll. Es ist sein erster Tag in der Welpenschule. Ob die Hundekinder größerer Rassen wohl genauso lieb sind, wie sie aussehen?
Frauchen Heike Schulz (30, arbeitet in einem forstwirtschaftlichen Betrieb) hat Bedenken. Reißt ihren Liebling urplötzlich hoch. Der Grund sitzt vor ihr: Trixi, der Berner Sennenhund. Total knuffig, total verspielt - aber fünfmal so groß wie Samson. "Lassen Sie den Kleinen ruhig runter", sagt Hundetrainerin Heike Mauer (40), "Trixi tut Samson: Sitznichts, will Samson nur begrüßen."
Einer der häufigsten Fehler bei Hundehaltern: Hunde immer auf den Arm zu nehmen. "Durch dieses Verhalten steht das beschützte Tier als Angsthase da - das macht es den anderen gegenüber klein. Dabei hat nur der Besitzer Angst - nicht der Hund."
Die Welpenschule von Rennersdorf (bei Dresden) meint es gut: mit den Hunden - und mit den Menschen, denen die Herrchen/Frauchen- Erfahrung noch fehlt. "Ein Welpe ist rund zehn Wochen alt, wenn er von seiner Mutter wegkommt", sagt Heike Mauer. "Das ist genau die Zeit, in der ein Hund im Rudel alles über Sozialverhalten lernt, seinen Platz in der Hierarchie findet, sich austoben will und viel Zuwendung braucht. Plötzlich wird der Mensch zu seiner neuen Bezugsperson, und die macht vieles falsch - vor allem, wenn sie den Hund wie einen Menschen behandelt."
In der Welpenschule lernen Hundehalter von Heike Mauer: "Ein Hund bleibt ein Hund - er braucht ein klares Konzept. Muß wissen, daß sein Mensch das Sagen hat. Niemand sonst. Nur dann kann ihm Gehorsam beigebracht werden." Vom Bei-Fuß-Gehen übers Nicht-Betteln bis zum Tabu des Socken-Zerreißens.
Mindestens genauso wichtig in Rennersdorf: Babyhunde zu selbstbewußten großen Hunden zu erziehen. Denn nur, wer seine Welt früh gezeigt und erklärt bekommt, fürchtet sich nicht. "Vor allem Stadthunde sind extremen Situationen -Baustellenlärm, überall Autos - ausgesetzt. Ein Hund, für den solche Situationen schon mal simuliert wurden, ist anpassungsfähiger, hat weniger Angst. Und wer keine Angst hat, wird nicht so leicht aggressiv", so fuge Düring (52) vom Tierservice Dr. Düring, auf dessen Gelände die Welpenschule stattfindet.
Cockerspaniel Charly sitzt mit zitternden Läufen vor einem zwei Meter langen Plastik-tunnel. "Na komm, Charly, lauf durch", ermutigt Frauchen Mandy Burghart (20). Aber Charly traut der Röhre nicht so recht, stemmt sich gegen Frauchens schubsende Hände. Erst als zwei Beagles an ihm vorbei rasen, faßt Charly Mut - und tappt hinterher. Dickes Lob von Mandy: "Du bist der Größte!"
Die jungen Hunde lernen übrigens nicht nur vom Menschen. "Bak schaut immer genau hin, wenn ein älterer Hund etwas Neues macht", erzählt Yvonne Röseberg (24), Frauchen eines pechschwarzen Labradors. "Das macht er dann meistens nach."

Quelle: Bild am Sonntag, 23.07.2000

 

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